Geschichte

Quelle: Jubiläumschronik 125 Jahre RVW

 

Gründung

Die Entwicklung des Fahrrades begann 1817. Damals erfand der Forstmeister Freiherr Carl von Drais in Mannheim das erste einspurige Zweirad mit Vorderradlenkung. Es bekam den Namen „Laufmaschine“, da man mit den Füssen auf dem Boden lief und somit das Vehikel antrieb. Erst 50 Jahre später entstand ein Zweirad mit Tretkurbeln direkt im Vorderrad. Es folgte das Hochrad und 1884 das Niederrad mit annähernd gleich grossen Rädern und dem Kettenantrieb ins Hinterrad. Mit etwas Verzögerung fand das Fahrzeug auch Winterthur seine Käufer. Die Vélocipèdes waren aber noch recht teuer, sodass sich die Radfahrer-Pioniere noch aus den vermögenden Kreisen zusammensetzten.Studenten des Technikums gründeten am 14. August 1882 im Hotel Löwen am Graben den Velocipedeclub. Unter ihnen befanden sich die Söhne (Charles und Sidney) des Industriepioniers Charles Brown (SLM, MFO, BBC). Sidney Brown wurde erster Präsident Velocipedeclub Winterthur.

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<b>Stramme Ordnung</b>

Als Zweck nannten die ersten Statuten, die Verbreitung und praktische Verwertung des Fahrrades als schnelles und billiges Verkehrsmittels. Ferner sollen Lustfahrten und geselliges Zusammenwirken auf dem Gebiete dieses Sportes zum Vereinslebens gehören. Ein Bussensystem bekämpfte versäumtes und verspätetes Erscheinen. Für die obligatorischen Clubfahrten wurde ein Capitän gewählt, „der im Stande ist, die ganze Mannschaft im Zaume zu halten und dem absolute Folge zu leisten war. 1886 radelten die Winterthurer Velocipedisten auf Hochrädern zum ersten Bundesfest nach Zürich. Für die Hinfahrt benötigten sie 2 ½ Stunden, für den Rückweg vier Stunden. Letzteres unter anderem, weil Bauern und Hunde den Männern auf ihren Knochenschüttlern nicht immer wohlgesinnt waren.



<b>Unter besonderer Polizeiaufsicht</b>

In einem Landboten-Artikel wurde 1893 von der „ungemeinen Beschleunigung der Bewegung“ und der damit verbundenen Gefahr für die Fussgänger geschrieben. Die Radfahrer konterten mit einer Eingabe an den Stadtrat und baten um Schutz vor „ungerechtfertigten Anfechtungen und groben Unfug seitens des Publikums“. Die Vorschriften kamen und es bedurfte künftig einer Bewilligung, um Rad fahren zu dürfen. Die Bewilligung konnte verweigert oder entzogen werden, wenn der Gesuchsteller des Fahrens gänzlich unkundig war. Zu schnelles Fahren und die Vornahme von Fahrübungen auf der Strasse wurde verboten. Ferner war das absichtliche Erschrecken von Personen, den Radfahrern Hunde nachzuhetzen, Gegenstände in die Speichen zu werfen und andere Hindernisse in den Weg zu legen verboten. 1895 wurden 677 Bewilligungen erteilt, 1901 waren 3400 Velos registriert.


 

<b>Vereinsleben</b>

Das studentische Element des Vereins trug dazu bei, dass stets auch das Feste feiern nicht zu kurz kam. So wurden auch an Abendunterhaltungen Fahrkünste demonstriert, an denen auch komödiantische Talente sich entfalten konnten. An der ersten Ostschweizer Velocipisten-Reunion (30. Mai 1889) produzierten sich zwei St. Galler auf dem Bahnhofplatz als Kunstfahrer auf hohem Zweirad vor zahlreichem Publikum. Am Nachmittag fand ein Corso mit 105 Radfahrern statt. Am 24. April 1892 wurde die neue Fahne eingeweiht. Am Corso nahmen bereist 148 Radler teil, auch Damen, obwohl sie nicht Mitglieder des Vereins werden durften. Am Ostschweizer Velofest 20./21. Juni 1886 fand ein Rennen über 50 km von Töss nach Pfäffikon und zurück statt. Es waren 36 Fahrer angemeldet, 23 waren am Start und 17 am Ziel. Am nachmittäglichen Corso nahmen bereits mehrere hundert Radler teil. Sie wurden durch die Stadtmusik Winterthur musikalisch begleitet.

Der Club entfaltete sich stark und die Mitgliederzahl stieg ständig an. Der Durchbruch und die Anerkennung war geschafft. Das bestätigte am Bundestag der Velocipedisten am 30. Juni/1. Juli 1906 auch die Präsenz des Stadtpräsidenten Rudolf Geilinger, der die Grüsse der Behörden überbrachte und in seiner Ansprache die Vorteile des Radfahrens betonte.

Der Club entfaltete ein immer reichhaltigeres Vereinsprogramm in allen Disziplinen wie Wander-. Mannschafts-, Schul- und Reigenfahren und Strassenrennen. 1917 fusionierte der Velocipisten-Club Winterthur (VCW) mit dem Racing-Club zum Radfahrerverein der Stadt Winterthur. Die sportlichen Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene liessen nicht auf sich warten. Sie folgten sich in regelmässigen Abständen. Weitere Organisations-Höhepunkte waren das Strassen-Kriterium ab 1931-1990, die Hegi-Rennen 1980-2003, aber auch das Motocross am Iberg-Hang von 1959 bis 1974.



<b>Radball</b><br></br><br></br>

Der Radball war und ist eine Spitzendisziplin des RVW. Erstmals erwähnt werden die Radballer in der Chronik 1910, als die aufblühende Sportart ins Sportprogramm aufgenommen wurde. Nebst dem Zweier-Radball wird auch Rasenradball (6 Spieler pro Team) gespielt. Die ersten Schweizer Meisterschaftsmedaillen errangen 1927 in der Kategorie A Kunz und Borsani (2. Rang) und die Rasenradballer (3. Rang). Ein Jahr später wurden Kunz/Borsani dann Schweizermeister. 1933 wurden die Winterthurer Rasenradballer in Paris Weltmeister. Die vier RVW-Spieler Mächler / De Zordi / Breitenmoser / Flachsmann gewannen in den Jahren 1933-1949 16 Schweizermeisterschaftsmedaillen in der höchsten Spielklasse. 1950 werden die Winterthurer Radballer Osterwalder / Breitenmoser Weltmeister. Sie verteidigen diesen Titel dreimal. Die Erfolgsserie ging mit Breitenmoser / Flachsmann (WM-Titel 1954) und 1956 nochmals mit Osterwalder / Breitenmoser (WM-Titel 1956) weiter. Später folgten Hauri / Jiricek (1999) und Looser / Jiricek (2002) mit Radball-WM-Titeln.


Der RVW im Jubiläumsjahr

Der aktive RVW hat 2007 anlässlich seines Jubiläums 125 Jahr Radfahrer Verein Stadt Winterthur eine reichhaltige Jubiläumsschrift herausgegeben. Dieser Text hier im Winterthur-Glossar gibt ein paar wenige aber wichtige Einzelheiten aus dem 90-seitigen Bericht wieder und kann aus der grossen Vielfalt von bemerkenswerter Ereignissen keine Vollständigkeit erreichen.

Der RVW zählt Ende 2007 324 Mitglieder, davon 302 Männer und 22 Frauen, dazu kommen noch 26 Ehrenmitglieder und 159 Freimitglieder. In den Ressorts Tourenfahrer, Rennsport/Biker und Hallenradsport sind 84 Mitglieder aktiv.